Aktuelle Tourenverhältnisse im Wettersteingebirge

Aktuelle Tourenverhältnisse im Wettersteingebirge

Stand: 24.06.2020

Verhältnisse im Bereich um die Zugspitze

1. Zugspitze über das Höllental

"Brett" und "Leiter":

Die "Leiter" sowie das "Brett" sind bei entsprechendem Können gut zu bewältigen. Die Altschneedecke zieht sich zurück. Vom grünen Buckel bis zur Gletschermoräne sind nur einzelne Schneefelder zu überqueren.



Höllentalferner:

Aufgrund der Altschneeauflage am Gletscher sind derzeit in diesem Bereich Steigeisen nicht zwingend notwendig, aber trotzdem empfohlen. Durch die immer dünner werdende Schneedecke sind einige Gletscherquerspalten nur mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt und dem entsprechend einbruchgefährdet. Die Mitnahme eines kurzen Gletscherseiles wird daher empfohlen um im Falle eines Spaltensturzes auch entsprechend agieren bzw. anderen helfen zu können.



Randkluft:

Aufgrund der Schnee ist die Randkluft derzeit praktisch nicht vorhanden. Dennoch gilt speziell hier erhöhte Vorsicht, da evtl. Hohlräume unter der Schneeschicht nur schwer erkennbar sind.

Oberer Klettersteig:

Ab ca. 2400 m Seehöhe liegen die Sicherungsseile an drei Stellen – an der längsten Stelle auf ca. 15 Meter – unter dem Schnee begraben. Aufgrund der Schneeschmelze kommen aber täglich einige Meter mehr Sicherungsseil zum Vorschein. Dennoch ist eine Selbstsicherung nur eingeschränkt möglich, was ein höheres Risiko eines evtl. Abrutschens bedeutet. Auch hier bewährt sich die Mitnahme eines Seils. Ab der Irmerscharte ist überwiegend noch eine durchgängige Schneeauflage. Aufgrund der kalten Temperaturen in der Nacht ist die Spur im oberen Klettersteig recht hart, weshalb die Benutzung von Steigeisen notwendig werden kann.

2. Riffelscharte

Die Riffelscharte ist begehbar. Es muss jedoch im oberen Bereich der Scharte und auch im Bereich des Abstiegs in Richtung Norden (Eibsee) noch mit größeren Altschneefeldern gerechnet werden. Hierdurch erhöht sich die Schwierigkeit deutlich. Neben der normalen Bergwanderausrüstung empfehlen wir daher die Mitnahme von Wanderstöcken und Grödeln/Schuhschneeketten.


3. Matheisenkar / Hupfleitenjoch / Stangensteig

Im Matheisenkar ist teilweise noch mit Altschneefeldern zu rechnen, weshalb man die Schwierigkeiten als etwas erhöht betrachten kann.

Der Weg über das Hupfleitenjoch zum Kreuzeck ist nach den Zerstörungen durch das Unwetter jetzt wieder begehbar und für Wanderer freigegeben.

Der Stangensteig ist bis auf Weiteres gesperrt und noch nicht begehbar!

4. Zugspitze über das Reintal

Der Zustieg zur Reintalangerhütte ist problemlos möglich. Genau wie an der ebenfalls geöffneten Bockhütte freut man sich sehr über Tagesgäste.

Im Weiteren Verlauf der Tour auf die Zugspitze muss mit großen Altschneefeldern gerechnet werden. Bei Nebel und schlechtem Wetter ist der Weg am Zugspitzplatt nicht immer gut sichtbar und die Orientierung kann mitunter sehr schwer sein.

Im Anstieg vom Sonn-Alpin bis zum Gipfel liegt aktuell noch recht viel Schnee, weshalb die Schwierigkeiten hier deutlich erhöht sind - insbesondere bei schlechtem Wetter und eingeschränkter Sicht.

5. Zugspitze über die Wiener-Neustädter Hütte

Auch beim Aufstieg über die Wiener-Neustädter Hütte muss noch mit diversen Altschneefeldern gerechnet werden. Die Mitnahme von Steigeisen ist aber hier bei normalen Wetterbedingungen nicht erforderlich. Gurt, Klettersteigset und Helm ist hier obligatorisch mitzunehmen.


6. Jubiläumsgrat

Für erfahrene Bergsteiger und Kletterer ist auch der Jubiläumsgrat machbar. Allerdings sind die Schwierigkeiten aufgrund des vorhandenen Altschnees aktuell noch deutlich erhöht. Es macht hier Sinn noch ein paar Wochen zu warten.

Hütten:

· Höllentalangerhütte ist normal geöffnet

· Wiener Neustädter Hütte ist normal geöffnet

· Münchner Haus bietet keine Übernachtungsmöglichkeiten an

· Knorrhütte ist wegen Umbauarbeiten derzeit komplett geschlossen, weshalb dort weder Verpflegung noch Nächtigungen möglich sind.

Verhältnisse im Alpspitz-Gebiet

Die Alpspitze von der Alpspitzbahn aus über den Klettersteig ist geöffnet. In der Alpspitze-Ferrata und auch beim Abstieg über die Ostschulter trifft man noch auf einzelne Schneefelder, weshalb man die Schwierigkeit als leicht erhöht betrachten darf. Der Nordwandsteig und die Rinderscharte sind gut begehbar. Am Wochenende ist gerade auf der Alpspitze mit sehr viel "Verkehr" zu rechnen. Dem entsprechend herrscht auch eine gewisse Steinschlaggefahr und die Gefahr, dass vor einem gehende Leute stürzen und einen "mitnehmen". Wir empfehlen somit für eine Begehung - insbesondere am Wochenende - Klettergurt, Klettersteigset und Kletterhelm.

Auch der sehr schwere Mauerläufersteig ist bei entsprechendem Können aktuell gut begehbar.

In den Schöngängen müssen noch zwei größere Schneefelder gequert werden, weshalb gerade die Begehung mit Kindern nur bei entsprechenden Sicherungskönnen empfohlen wird.

Die Klettertouren in der Nordwand der Alpspitze können über den Nordwandsteig schneefrei erreicht werden. In den Touren selbst befindet sich kein Schnee mehr. Beim Ausstieg im Bereich des "Herzls" ist noch ein großes Altschneefeld vorhanden, was die Querung zum Klettersteig etwas schwieriger macht.

Wanderer, die es etwas gemütlicher angehen möchten, stehen die Wanderwege zwischen Osterfelderkopf und Kreuzeck zur Verfügung. Auch die Aussichtsplattform AlpspiX sowie die beiden Erlebniswege im Gebiet Garmisch-Classic sind geöffnet.

Hütten:

· Kreuzeckhaus ist normal geöffnet

· Stuibenhütte ist wie immer im Sommer geschlossen

· Bockhütte ist geöffnet (keine Übernachtung möglich)

Ammergauer Alpen:

Alle Touren in den südlichen Ammergauer Alpen (Kramerspitze, Hoher Ziegspitz, Schellschlicht etc.) sind aktuell gut machbar. Es muss jedoch in den höheren Laden in tiefen Rinnen und Mulden noch mit kleinen Altschneefeldern gerechnet werden. Neben der normalen Bergwanderausrüstung empfehlen wir daher die Mitnahme von Wanderstöcken und Grödeln/Schuhschneeketten.


Estergebirge:

Alle Touren im Estergebirge sind aktuell gut machbar. Es muss jedoch in den höheren Laden in tiefen Rinnen und Mulden noch mit kleinen Altschneefeldern gerechnet werden. Neben der normalen Bergwanderausrüstung empfehlen wir daher die Mitnahme von Wanderstöcken und Grödeln/Schuhschneeketten.

Die Weilheimer Hütte bleibt wegen Corona bis mindestens 3. Juli 2020 geschlossen. Der Winterraum ist ebenso gesperrt. Weitere Informationen können Sie direkt beim Hüttenwirt Christian Weiermann (08825 2023) erfragen.

Aktuelle Empfehlungen für Bergtouren

Aufgrund der aktuell recht instabilen Wetterlage und des noch vorhandenen Altschnees in Höhenlagen über 2200m sowie in Rinnen und Mulden empfehlen wir allen Bergsteigern und Bergwanderern eine besonders gute und detaillierte Tourenplanung inkl. Zeitpuffer und unter sorgfältigen Einbezug des Wetterberichtes. Auch kann die Mitnahme von Wanderstöcken und Gödeln/Schuhschneeketten die eine oder andere gefährliche Stelle deutlich entschärfen. Des Weiteren muss man sich darüber im Klaren sein, dass auch bei sommerlichen Temperaturen im Tal es bei einem Wettersturz in den Bergen schnell sehr kalt werden und sogar Schnee fallen kann. Daher sollte neben dünnen Handschuhen und Mütze auch entsprechende Bekleidung dabei sein.

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